Kapitel 15: Stegplatten bearbeiten

Stegplatten schneiden und bohren

Stegplatten lassen sich gut zuschneiden, wenn Werkzeug, Auflage und Schnittführung stimmen. Für gerade Schnitte ist eine Handkreissäge mit Führungsschiene die beste Wahl. Die Stichsäge kommt bei Ausschnitten und Rundungen zum Einsatz. Wichtig ist vor allem: nicht freihändig sägen, ein feines Sägeblatt verwenden, die Platte gut unterstützen und Späne aus den Kammern entfernen.

Worauf Sie beim Schneiden im Detail achten sollten, lesen Sie in diesem Kapitel. Hier erfahren Sie auch alle relevanten Infos zum Bohren von Stegplatten.

Werkzeuge und Material zum Zuschneiden und Bohren von Doppelstegplatten auf einer Baustelle

15.1 Grundregeln

Ein sauberer Zuschnitt beginnt mit einer umsichtigen Vorbereitung. Drei Punkte sind besonders wichtig: UV-Seite markieren, Schutzfolie richtig behandeln die Platte stabil auflegen.

UV-Seite markieren

Doppelstegplatten haben eine UV-geschützte Außenseite. Diese zeigt später nach außen, also zur Wetterseite. Prüfen Sie vor dem Sägen die Beschriftung auf der Schutzfolie und markieren Sie die UV-Seite zusätzlich mit einem ablösbaren Klebeband. So vermeiden Sie Verwechslungen beim Einbau.

Schutzfolie nur an den Kanten lösen

Die Schutzfolie sollte während des Verarbeitungs- und Montageprozesses auf der Platte bleiben. Sie schützt die Oberfläche vor Kratzern und hilft bei der Orientierung. Lösen Sie die Folie nur an den Schnittkanten und an späteren Bohrstellen. So kann sie sich nicht im Werkzeug verfangen.

Platte sicher auflegen

Stegplatten dürfen beim Sägen nicht schwingen. Legen Sie die Platte auf eine stabile Unterlage und unterstützen Sie den Bereich entlang der Schnittlinie. Eine durchhängende Platte kann vibrieren. Dadurch entstehen unsaubere Kanten oder feine Risse.

Wichtig: Sägen Sie Stegplatten nicht freihändig. Eine feste Auflage und eine ruhige Führung sind wichtiger als Kraft. Die Säge soll sauber durch das Material laufen, nicht durch Druck gezwungen werden.

15.2 Werkzeuge und Sägeblätter

Werkzeuge zum Zuschneiden und Bohren von Doppelstegplatten

Für gerade Schnitte ist die Handkreissäge mit Führungsschiene die beste Wahl. Sie führt das Sägeblatt ruhig und gerade durch die Platte. Für Ausschnitte, Rundungen oder Pfostendurchführungen eignet sich die Stichsäge besser.

Handkreissäge für gerade Schnitte

Verwenden Sie ein feinzahniges, für Kunststoff geeignetes Sägeblatt. Grobe Holzblätter reißen die Schnittkante aus und können die Stege beschädigen. Die Säge sollte mit hoher Drehzahl und gleichmäßigem Vorschub laufen. Drücken Sie nicht zu stark. Wenn die Säge sauber geführt wird, entstehen glatte Kanten ohne Ausrisse.

Stichsäge für Ausschnitte und Kurven

Die Stichsäge ist sinnvoll, wenn Öffnungen, Rundungen oder kurze Korrekturschnitte nötig sind. Der Pendelhub sollte ausgeschaltet sein, da er die Oberfläche ausreißen kann. Auch hier gilt: feines Sägeblatt, ruhige Führung und wenig Druck.

Welches Werkzeug eignet sich wofür?
Werkzeug Geeignet für Worauf achten?
Handkreissäge mit Führungsschiene Gerade Längs- und Querschnitte Feines Kunststoff-Sägeblatt verwenden, Platte gut unterstützen, gleichmäßig führen
Stichsäge Ausschnitte, Rundungen, kurze Korrekturen Pendelhub ausschalten, feines Blatt verwenden, langsam und ohne Druck arbeiten
Cutter / Klinge Nur sehr dünne Platten oder einfache Hilfsschnitte Nur in Ausnahmefällen nutzen, nicht für saubere Profilkanten

Warum saubere Schnittkanten wichtig sind

Eine saubere Schnittkante ist mehr als eine Frage der Optik. Sie sorgt dafür, dass die Platte sauber im Profil sitzt sowie Alu-Klebeband und Anti-Dust-Tape an den Stirnseiten gut haften. Ausgefranste Kanten können das Band und Tape beschädigen oder verhindern, dass sie dicht anliegen.

15.3 Stegplatten richtig bohren

Beim Bohren entstehen vielfach Schäden durch zu viel Druck, ungeeignete Bohrer oder zu enge Bohrlöcher. Arbeiten Sie deshalb ruhig, mit einem passenden Bohraufsatz und ausreichend Spiel für die Wärmeausdehnung.

Geeigneten Bohrer verwenden

Am besten eignen sich Kunststoffbohrer. Alternativ kann ein scharfer HSS-Bohrer verwendet werden, wenn er sauber schneidet und nicht im Material hakt. Der Bohrer sollte die Platte schneiden, nicht reißen. Arbeiten Sie mit mittlerer Drehzahl und leichtem Druck.

Besonders wichtig ist die Austrittsseite. Kurz bevor der Bohrer durch die Platte tritt, muss der Druck reduziert werden. Eine Holzunterlage unter der Platte hilft, Ausbrüche an der Unterseite zu vermeiden.

Bohrlöcher mit Übermaß anlegen

Stegplatten dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte wieder zusammen. Deshalb dürfen Schrauben nicht zu eng in der Platte sitzen. Das Bohrloch muss größer sein als der Schraubendurchmesser. So kann sich die Platte bewegen.

Wichtig: Bohren Sie Stegplatten nie passend eng zur Schraube. Ein zu kleines Bohrloch kann bei Wärme Druck aufbauen. Daraus entstehen Spannungsrisse rund um die Schraube.

15.4 Ausschnitte und Ecken

Ausschnitte sind bei Stegplatten oft nötig, zum Beispiel für Pfosten, Ecken oder Anschlüsse. Hier kommt es darauf an, Innenecken nicht scharf auslaufen zu lassen. Scharfe Innenecken können Risse begünstigen.

Skizze eines Eckausschnitts in einer Doppelstegplatte mit vorgebohrten Eckradien

Innenecken vorbohren

Bohrungen an den späteren Innenecken verteilen Spannung besser als scharf gesägte Winkel. Setzen Sie die Bohrung dort, wo die Sägeschnitte aufeinandertreffen würden. Danach führen Sie den Schnitt bis an die Bohrung heran. So entsteht ein kleiner Radius statt einer scharfen Ecke.

Kanten entgraten

Nach dem Sägen werden alle Schnittkanten entgratet. Grate können beim Einschieben in das Profil stören oder Bänder und Tapes beschädigen. Ein Entgrater, ein scharfes Kantenmesser oder ein feiner Schleifschwamm reichen in der Regel aus.

Tipp: Entgraten Sie vor allem die offenen Stirnseiten gründlich. Dort müssen das Alu-Klebeband oder Anti-Dust-Tape später sauber anliegen.

15.5 Späne aus den Kammern entfernen

Beim Sägen und Bohren gelangen fast immer Späne in die offenen Hohlkammern. Entfernen Sie die Späne, bevor die Stirnseiten mit Alu-Klebeband oder Anti-Dust-Tape geschlossen werden.

Ausblasen statt ausspülen

Am besten lassen sich Späne mit Druckluft aus den Kammern entfernen. Blasen Sie die Kammern von den offenen Stirnseiten her aus. Bei kurzen Platten kann auch ein kräftiger Blasebalg helfen. Wichtig ist, dass die Kammern trocken bleiben.

Achtung: Spülen Sie die Kammern niemals mit Wasser aus. Restfeuchte kann in den Kammern bleiben und später zu Rückständen, Algenbildung oder Trübungen führen.

15.6 Schutzfolie und Reinigung

Stegplatten werden werkseitig mit einer Folie verpackt. Sie schützt die Oberfläche während Transport, Verarbeitung und Montage. Außerdem zeigt sie meist die UV-Seite an, die immer nach außen gehört.

Folie möglichst spät abziehen

Lassen Sie die Folie daher möglichst lange auf der Platte. Entfernen Sie diese nur dort, wo geschnitten, gebohrt oder geklebt wird. Erst nach der Montage wird die Folie vollständig abgezogen. Vorsicht: Folierte Stegplatten sollten nicht über längere Zeit in der Sonne gelagert werden, weil sie sich die Folie dann nur noch schwer lösen lässt.

Oberfläche entladen und reinigen

Nach dem Entfernen der Folie können Stegplatten statisch aufgeladen sein, sodass Staub und feine Späne auf der Oberfläche haften bleiben. Reinigen Sie die Platte mit klarem Wasser, einem weichen Schwamm oder einem Mikrofasertuch. Bei hartnäckigen Anhaftungen kann mildes Spülmittel helfen.

No-gos für die Reinigung

  • Keine scheuernden Schwämme verwenden.
  • Keine aggressiven Reiniger einsetzen.
  • Keine Lösungsmittel wie Aceton oder Verdünner verwenden.
  • Oberfläche nicht trocken abreiben, wenn Späne oder Staub darauf liegen.

Vertiefende Hinweise finden Sie im Kapitel zur Reinigung und Pflege.

15.7 Wann sich ein Zuschnitt-Service lohnt

Nicht jeder Zuschnitt muss auf der Baustelle erfolgen. Ein Zuschnitt-Service kann sinnvoll sein, wenn viele Platten zugeschnitten werden müssen oder Sondermaße, Ausschnitte und exakte Kanten gefragt sind.

Besonders lohnende Fälle für den Zuschnitt-Service

  • Viele Platten: Bei größeren Flächen spart der Zuschnitt Zeit und reduziert Fehler.
  • Sondermaße: Exakte Zuschnitte sind leichter planbar, wenn sie direkt nach Maß gefertigt werden.
  • Acryl-Stegplatten: Acryl ist spröder und empfindlicher beim Schneiden als Polycarbonat.
  • Fehlendes Werkzeug: Wer keine geeignete Säge oder Führungsschiene besitzt, vermeidet durch Zuschnitte nach Maß unsaubere Kanten.

Trotzdem müssen die Maße vorher sauber geprüft werden. Entscheidend sind Plattenlänge, Plattenbreite, Stegrichtung und die erforderlichen Abstände für Profile und Wärmeausdehnung.

15.8 Checkliste herunterladen

Laden Sie die Praxis-Checkliste zum Schneiden und Bohren von Stegplatten als PDF herunter. Sie fasst Werkzeugwahl, Vorbereitung, Zuschnitt, Bohrungen, Reinigung und typische Fehler kompakt zusammen.

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Philip Kullmann, Geschäftsführer von meinbaustoffversand.de

Philip Kullmann

Geschäftsführer und gelernter Tischler · meinbaustoffversand.de

Tischler-Ausbildung · mehr als 13 Jahre Baustoffhandel · eigene Montagepraxis · enger Austausch mit Plattenherstellern.

Zuletzt aktualisiert: 15.05.2026 · Mehr über den Autor

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