Doppelstegplatten richtig abdichten
Bei Doppelstegplatten bedeutet Abdichtung nicht, jede Öffnung vollständig zu verschließen. So müssen die Hohlkammern zwar oben gegen eindringendes Wasser geschützt werden, aber unten muss Kondensat wieder austreten können. Deshalb kommen an den Plattenenden mit dem Alu-Klebeband und Anti-Dust-Tape zwei unterschiedliche Baumaterialien zum Einsatz. Weiter sind im Stegplattenbau die Querpfettendichtung und Silikon relevant. Welcher Dichtstoff wo, warum und wie eingesetzt wird, lesen Sie im Anschluss.

12.1 Keine Abdichtung ohne Belüftung
Bei einem Dach aus Doppelstegplatten ist „100 % dicht“ nicht überall die richtige Lösung. Die Platten haben innenliegende Kammern. Darin befindet sich Luft, und mit der Luft gelangt auch Feuchtigkeit in die Platte. Werden die Kammern rundherum komplett verschlossen, kann Kondensat nicht mehr ablaufen.
Das heißt: Keine Abdichtung ohne Belüftung, das obere Plattenende wird dicht, das untere Plattenende diffusionsoffen (atmungsaktiv) verschlossen. So bleibt Regenwasser draußen, während Kondensat austreten kann.
Stirnseiten werden asymmetrisch verschlossen
- Die Stirnseite am höher liegenden Plattenende wird mit Alu-Klebeband dicht geschlossen, damit kein Regenwasser in die Kammern eindringen kann.
- Unten an der Traufe wird die Stirnseite mit Anti-Dust-Tape diffusionsoffen geschützt. Es hält Schmutz und Insekten zurück, lässt Feuchtigkeit aber entweichen.
- Das U-Abschlussprofil schützt die Stirnseiten oben und unten vor mechanischer Belastung. Es wird über das Alu-Klebeband beziehungsweise Anti-Dust-Tape gesteckt (und weder versiegelt noch geklebt).

Merke: Verwenden Sie niemals auf beiden Stirnseiten (oben und unten) dasselbe Dichtmaterial – sonst kann entweder Wasser eindringen oder Kondensat nicht mehr richtig ablaufen. Beides führt langfristig zu Schmutzspuren, Algenbildung oder trüben Kammern.
12.2 Alu-Klebeband und Anti-Dust-Tape befestigen

Nach dem Zuschnitt werden die offenen Stirnseiten der Doppelstegplatten vorbereitet: Zuerst die Kammern und Kante reinigen, dann den passenden Stirnseitenabschluss (Alu-Klebeband und Anti-Dust-Tape) aufbringen, anschließend das U-Abschlussprofil aufstecken.
Worauf es bei der Verarbeitung ankommt
- Saubere Klebefläche: Die Stirnseite muss trocken, staubfrei und frei von Spänen sein.
- Richtige Zuordnung: Alu-Klebeband gehört an das obere Plattenende, Anti-Dust-Tape an die Traufe.
- Faltenfrei aufbringen: Der Stirnseitenabschluss muss vollflächig haften. Falten, Lücken und lose Kanten können Wasser oder Schmutz eindringen lassen.
Werden die Dichtstoffe vertauscht oder die Stirnseiten unsauber verschlossen, bleibt Wasser in den Kammern stehen, es sammelt sich Schmutz an und die Platten trüben sich ein.
Wichtig: Das U-Profil schützt Kante und Stirnseitenabschluss mechanisch. Es ergänzt das Alu-Klebeband und Anti-Dust-Tape.
12.3 Vorgehen am Wandanschluss
Schließt ein Pultdach an die Hauswand an, kommt am oberen Plattenrand das Wandanschlussprofil zum Einsatz. Es deckt den Übergang zwischen Bedachung und Wand ab.
Viele Wandanschlussprofile besitzen eine integrierte Lippendichtung zur Plattenseite und eine wandseitige Anschlusskante. Die Kante muss sauber gegen die Wand mit neutral vernetzendem Silikon elastisch abgedichtet werden. Sonst kann Wasser hinter das Profil laufen: Hinterläufigkeit zählt zu den häufigsten Ursachen für Undichtigkeiten am Hausanschluss.
Silikon entlang Anschlusskante gegen Hinterläufigkeit
- Profil montieren: Das Wandanschlussprofil wird nach Systemvorgabe befestigt.
- Kontaktfläche vorbereiten: Wand und Profilkante müssen sauber, trocken und staubfrei sein.
- Silikon auftragen: Der Silikonstrang wird gleichmäßig entlang der Anschlusskante gezogen.
- Fuge glätten: Der Strang muss sauber an Profil und Wand anliegen.
- Aushärten lassen: Während der Aushärtung sollte die Fuge nicht durch Regen oder Spritzwasser belastet werden.
Wichtig: Für den Wandanschluss nur neutral vernetzendes und für Kunststoffe geeignetes Silikon verwenden. Säure- bzw. essigvernetzende Silikone können Polycarbonat chemisch angreifen.
Butylband als technische Alternative
Manche Verlegeanleitungen sehen statt Silikon ein Butylband zur Längsabdichtung des Wandanschlusses vor. Das ist technisch möglich, wenn das jeweilige Profilsystem darauf ausgelegt ist. Butylband muss vollflächig auf sauberem, trockenem Untergrund haften und gleichmäßig angedrückt werden.
12.4 Querpfettendichtung im Traufenbereich
Die Querpfettendichtung sitzt am unteren Plattenende. Sie wird dort eingesetzt, wo die Eindeckung an der Traufe auf der Querpfette aufliegt.
Ihre Aufgabe: Den Bereich zwischen Querpfette und unterem Montageprofil zu verschließen, damit kein Wind unter die Eindeckung greift. Das reduziert Zugluft und verhindert Pfeifgeräusche, die bei offenen oder nicht sauber geschlossenen Traufanschlüssen entstehen können.
Worauf es bei der Montage ankommt
- Position: Die Dichtung sitzt mittig im Traufenbereich auf der Querpfette.
- Untergrund: Die Fläche muss trocken, sauber und staubfrei sein.
- Fixierung: Selbstklebende Dichtungen werden angedrückt und je nach System zusätzlich mechanisch gesichert.
- Stückzahl: Die Anzahl richtet sich nach der Zahl der Plattenbahnen am Traufanschluss.
Hinweis: Die Querpfettendichtung sollte vor dem Verlegen der Platten eingeplant werden. Ist die Eindeckung montiert, lässt sich dieser Bereich nur schwer nachträglich erreichen.
12.5 Einsatz von Silikon
Silikon ist im Stegplattenbau kein Universal-Dichtmittel. Ein gutes Profilsystem ist mit passenden Dichtungen ausgestattet, für zusätzliches Silikon an den Plattenstößen besteht kein Bedarf. Sinnvoll ist der Silikoneinsatz nur dort, wo ein Anschluss dauerhaft elastisch gegen ein anderes Bauteil abgedichtet werden muss, etwa an der Anschlusskante des Wandanschlussprofils.
Neutralvernetzend und kunststoffverträglich
Dabei zählt die chemische Verträglichkeit. Polycarbonat reagiert empfindlich auf bestimmte Dichtstoffe und Lösungsmittel. Säure- beziehungsweise essigvernetzende Silikone können das Material angreifen und Spannungsrisse begünstigen.
- Säurevernetzendes Silikon: Härtet unter Abgabe von Essigsäure aus. Es ist für Polycarbonat ungeeignet.
- Neutral vernetzendes Silikon: Härtet ohne Säureabgabe aus und ist für geeignete Kunststoffanschlüsse die richtige Wahl, sofern es vom Hersteller entsprechend ausgewiesen ist.
- Kennzeichnung prüfen: Hinweise wie „neutral vernetzend“, „kunststoffverträglich“ oder „polycarbonatverträglich“ zählen. Im Zweifel das technische Datenblatt prüfen.
Bei Fugendichtstoffen finden sich häufig Hinweise nach EN 15651 oder DIN EN ISO 11600. Für Anwender ist wichtig, ob das Silikon für Verglasungen, Fassadenanschlüsse und Kunststoffe geeignet ist und ob es neutral vernetzend aushärtet.
12.6 Kondensat-Ableitung mitplanen
Selbst ein dichtes Dach ist nur dann ein gutes Dach, wenn Kondensat aus den Kammern ablaufen kann. Wird das untere Plattenende an der Traufe vollständig abgedichtet, bleibt Feuchtigkeit in den Kammern zurück. Die Folge sind Schlieren, Algenbildung und Eintrübungen. Dafür kann es jedoch auch andere Gründe geben.
Entwässerungswege offenhalten
- Gefälle: Das Dach braucht ein ausreichendes Gefälle, damit Wasser abläuft. Die Mindestdachneigung beträgt 5°; das entspricht 8,7 cm Höhenunterschied pro Meter. Als gute Planungsgröße gelten 7°.
- Stegrichtung: Die Hohlkammern müssen parallel zum Gefälle liegen, damit Kondensat überhaupt ablaufen kann.
- Traufe: Die untere Stirnseite wird mit Anti-Dust-Tape diffusionsoffen geschützt. Es hält Schmutz und Insekten zurück, lässt Feuchtigkeit aber entweichen.
- U-Abschlussprofil: Das Profil wird weder verklebt noch versiegelt, sondern nur aufgesteckt.
- Drainageöffnungen: Manche Abschlussprofile besitzen kleine Öffnungen oder Schlitze für den Wasserablauf. Sie dürfen nicht mit Tape, Silikon oder Schmutz blockiert werden.
Nehmen Sie Staunässe ernst. Wenn nach Regen sichtbar Wasser in den Kammern bleibt, sollten Gefälle, Stegrichtung, Stirnseitenabschluss und Drainage geprüft werden.
12.7 Typische Undichtigkeiten und ihre Ursachen
Bei Feuchtigkeitsproblemen hilft nur ein systematischer Blick: Wo tropft es genau?
Tipp: Undichtigkeiten entstehen nicht zufällig. Meist lässt sich der Fehler einem Bereich zuordnen: Schraubpunkten, Plattenstößen, Wandanschluss, Traufe oder Stirnseiten.
12.8 Checkliste herunterladen
Laden Sie die Praxis-Checkliste zur Stegplatten-Abdichtung als PDF herunter. Sie hilft Ihnen, den Einsatz von Alu-Klebeband, Anti-Dust-Tape, Querpfettendichtung und Silikon vor der Montage korrekt zu planen.
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